IG Heldrastein

Feier zum Tag der Einheit

Interessengemeinschaft hat Heldrastein als Ausflugsziel wieder bekannt gemacht

Schnellmannshausen.

Auf dem Heldrastein steht ein Berghof, das über eine Zufahrtsstraße erreichbar ist, und die Besucher werden mit der Seilbahn befördert. Eine Vision?

Hubert Steube, erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft (kurz IG) Heldrastein, ist sich sicher, dass dies alles heute so existieren würde, wenn die „verfluchte Grenze nicht gekommen wäre“. Das sagte er in seiner Festrede am Sonnabend. Die IG feierte im Saal am „Löwen“ in Schnellmannshausen ihr 25-jähriges Bestehen.

Sie hat einen entscheidenden Anteil daran, dass sich der Heldrastein nach der politischen Wende in der DDR und der Grenzöffnung wieder zu einem beliebten Ausflugsziel im Werratal entwickelt hat. Dabei waren viele Hindernisse zu überwinden. So erregten sich Naturschützer über die Florian-Henning-Hütte, die der Verein auf dem Plateau bereits im Januar 1990 aufgebaut hat. Wie sich Hubert Steube erinnerte, half der damalige Landrat auf Thüringer Seite, Martin Kaspari, den Konflikt zu lösen.

Und dann noch weitere Male, als es beispielsweise um die Ausschankgenehmigung ging – von Mai bis Oktober ist die Hütte sonntags bewirtschaftet und werden Wanderer verköstigt. Das trug Kaspari den Titel „Schutzengel des Heldrasteins“ ein. Der Landrat a.D. war Gast der Veranstaltung, trat ebenfalls ans Mikrofon, und begründete sein Engagement damit, dass er in einem Dorf im Sperrgebiet aufgewachsen ist und weiß, welche Repressalien dort erduldet werden mussten. „Ich wollte meine Braut meinen Eltern vorstellen, doch sie erhielt keinen Passierschein“, erzählte Kaspari. Er erinnerte auch an die Angeschossenen und Erschossenen an der Grenze.

„Im Vereinsregister des Eisenacher Amtsgerichts waren sie im Juni 1990 die Nummer acht, für mich sind sie die Nummer eins der Wiedervereinigung“, betonte Treffurts Bürgermeister Michael Reinz (parteilos) und verwies darauf, dass sich Menschen aus Ost und West in der Interessengemeinschaft zusammengefunden haben. Reinz zeichnete Erik Fischer mit dem Ehrenteller der Stadt Treffurt aus, der zu den Gründungsmitgliedern gehört. Sein Amtskollege Wilhelm Gebhard (CDU) aus Wanfried ehrte Hubert Steube mit der goldenen Ehrennadel der Stadt. Des Weiteren fanden Jutta Niklass (CDU), Stadtverordnetenvorsteherin von Wanfried und Thomas Mäurer, Bürgermeister von Weißenborn (parteilos), anerkennende Worte für die Arbeit der Interessengemeinschaft. Deren Meisterstück war es, den ehemaligen Funk- und Radarturm der Stasi zu einem Aussichtsturm, den Turm der Einheit, umzubauen. Die nötigen 200 000 D-Markt brachten Sponsoren auf. So sind symbolisch Stufen verkauft worden.

Der Verein hat aber auch Wanderwege angelegt und ausgeschildert, Bänke und Tische gezimmert und aufgestellt. Der zugewachsene Treppenweg aus dem Jahr 1924 ist beispielsweise wieder ausfindig gemacht, freigeschnitten und die 290 Treppen sind instand gesetzt worden.

Um den Heldrastein wieder bekannt zu machen, ließ die IG Ansichtskarten und Faltblätter drucken und Autoaufkleber herstellen. Es gibt Wanderkarten, Wanderhüte, Gehstöcke, Stocknägel und T-Shirts. Der Heldra-steiner Kräuterbitter ist ebenfalls ein beliebtes Mitbringsel.

Drei Bücher sind herausgegeben.Hubert Steube dankte allen Mitstreitern: „Man kann noch so gute Ideen haben, wenn man keine Freunde hat, die hinter einem stehen und mithelfen, diese umzusetzen, geht nichts.“

Einen Turm gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts

Bereits 1890 stand der erste Aussichtsturm auf dem Heldrastein. Zu Ehren des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl Alexander, erhielt er dessen Namen. Auch ein Forsthaus wurde gebaut, das von Frühjahr bis Herbst als Gastwirtschaft diente. 1927 errichtete Albrecht Lorbach aus Lüderbach ein neues Lokal im Schweizer Stil mit Möglichkeiten zum Übernachten. Die Wirtsfamilie hatte ein gutes Auskommen bis zum Krieg. Nach dem Krieg wurde es wegen der Grenzkontrollen immer schwieriger, den Heldrastein zu besuchen. 1952 musste Familie Lorbach auf Anweisung der DDR-Behörden alles räumen. Turm und Gastwirtschaft sind abgerissen worden.

Birgit Schellbach / 03.08.15 / TA

IG Heldrastein

IG Heldrastein

Mehr als tausend Besucher sangen auf dem Heldrastein die Nationalhymne

Schnellmannshausen.

Wer die Feierlichkeiten anlässlich der „25 Jahre Deutsche Einheit“ in besonderer Atmosphäre erleben wollte, war am Sonntag auf dem Heldrastein, dem „König des Werratals“, genau richtig. Schon zum morgendlichen ökumenischen Gottesdienst waren hunderte Gläubige auf den geschichtsträchtigen Berg gekommen. Die Pfarrer Rüdiger Pütz, Torsten Schneider, Björn Kunstmann und Pfarrerin Sylvia Frank zelebrierten einen wundervollen Gottesdienst, den der Treffurter Posaunenchor ebenso schön musikalisch begleitete.

Bestimmt 1000 Menschen bevölkerten den Platz neben dem Turm der Einheit, wo die regionalen Politiker ihre kurzen Ansprachen hielten. Zunächst erinnerte Treffurts Bürgermeister Michael Reinz an die teils völkerrechtswidrigen Bedingungen in der DDR – insbesondere in den Sperrgebieten –, um dann aber auch die tolle Entwicklung, der Werratal-Gemeinden in den letzten 25 Jahren zu loben.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Heldrastein, Hubert Steube, trat emotional berührt ans Mikrofon, erinnerte an die vielen schönen Stunden auf dem Berg, sprach aber auch die strukturellen Probleme an, die alle ehrenamtlich geführten Vereine haben.

Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer überbrachte Grüße seines kranken Vaters Arno, der vor 25 Jahren eine unvergessene Institution der Wiedervereinigung vor Ort war. Klaus Fissmann sprach als Bürgermeister der Gemeinde Ringgau die positive gemeinsame Entwicklung mit den Thüringer Nachbargemeinden an, während Regierungspräsident Walter Lübke politisch ein wenig weiter ausholte. „Bei der Wiedervereinigung waren zwei Systeme vorhanden, und nachdem eines gescheitert war, hatten wir keine Zeit etwas anderes auszuprobieren“, versuchte der erfahrene Politiker auch einige Fehler von damals zu relativieren. Aktuell warb Lübke um die Integration von Flüchtlingen, was aber nur gemeinsam gehe. Er sah den Bund in der Pflicht.

Das griff Landrat Reinhard Krebs auf und erinnerte zudem an die Worte von Bundespräsident Joachim Gauck von der Herzensweite der Deutschen. Allerdings seien die Möglichkeiten der Unterbringung begrenzt und erschöpft.

„Was die Menschen in 25 Jahren alles geleistet haben, muss an diesem Tag besonders gewürdigt werden“, lobte Krebs und bestätigte da Hubert Steubes Meinung zum Ehrenamt.

Auch Stefan Reuß, der Landrat des Werra-Meißner-Kreises, schloss sich den Meinungen seiner Vorredner an. In der Flüchtlingsproblematik vermisse er eine Botschaft der Bundesregierung, wie sie seinerzeit Helmut Kohl zum Vollzug der Einheit und Integration mit auf den Weg gegeben hat, sagte der SPD-Politiker zum aktuellen Thema. Der Dank von Stefan Reuß ging indes an die Adresse der IG Heldrastein, die erneut die Menschen zusammenführt. Er hätte sich auch gewünscht, dass eine große Einheitsfeier nicht in Frankfurt stattfindet, sondern dort, wo die Deutsche Einheit vollzogen worden ist.

In das Lob an die Interessengemeinschaft stimmte Landrat a.D. Martin Kaspari ein, der sich noch gut an die Rettung des Heldrasteins gegen die Pläne des Thüringer Landesverwaltungsamtes erinnerte. Genauso an die Tränen auf der Wartburg, als am Ende nach einem Treffen von Politikern die Nationalhymne gesungen wurde, „deren Text wir damals nicht kannten“, so Kaspari.

Auch die Landtagsabgeordnete Anja Müller (Linke) sprach die Aufarbeitung von Geschichte an und richtete den Dank an all diejenigen, die seinerzeit aus den Kirchen mit Kerzen heraustraten und „keine Gewalt“ einforderten.

Der hessische Landtagsabgeordnete Dieter Franz (SPD) hatte die Absurdität der Grenze noch zu Dienstzeiten kennengelernt und hob das Engagement der DDR-Bürger hervor, die eigentlich die Einheit erst umgesetzt hätten. Das hatte zuvor auch schon Stefan Reuß betont, und nun sprach auch noch Ulrich Lange, der Wanderwart des Sauerländischen Gebirgsvereins von seinen Erlebnissen auf dem „Wanderweg der Deutschen Einheit“.

Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhardt trat am Ende der gut einstündigen Feierstunde mit seinen drei Amtskollegen noch einmal ans Rednerpult und dankte dabei den Gästen, denen es ein Bedürfnis war, beim Festakt dabei gewesen zu sein. Die gemeinsam gesungene Nationalhymne aus den zahllosen Kehlen war ein überwältigender Schlusspunkt dieses Tages auf dem Heldrastein.

Rüdiger Schwanz / 06.10.15 / TA