Turm der Einheit

Be­reits im vo­ri­gen Jahr­hun­dert häuf­ten Wan­der­freun­de am nörd­li­chen Rand des Hel­dra­steins Stei­ne auf­ein­an­der, um sich ei­nen bes­se­ren Aus­blick auf das Eichs­feld zu ver­schaf­fen. Karl-Alexander TurmDa ihn­en die­ser Stein­hau­fen bald nicht mehr aus­reich­te, soll­te ein Aus­sichts­turm mit Rund­um­sicht ent­ste­hen. Mit Hil­fe von Karl Xaver von Schar­fen­berg, der Ei­gen­tü­mer ei­nes Grund­stückes auf dem Hel­dra­stein war, Spen­den und Ei­gen­lei­stung ent­stand der Karl-Alexander-Turm, der am 26.05.1890 fei­er­lich ein­ge­weiht wur­de.Sei­nen Na­men er­hielt der Aus­sichts­turm nach dem da­ma­li­gen Thü­rin­ger Lan­des­herrn.

1904 stif­te­te die Fa­mi­lie von Schar­fen­berg dem Turn­ver­ein Wan­fried ihr Grund­stück auf dem Hel­dra­stein mit­samt Aus­sichts­turm und an­gren­zen­dem Wirt­schafts­ge­bäu­de.

Im Jahr 1938 wa­ren die Bäu­me auf dem Hel­dra­stein in­zwi­schen so hoch ge­wach­sen, daß kei­ne Fern­sicht nach Sü­den mehr mög­lich war. Ein An­trag auf Turm­er­hö­hung mit neu­em Rund­gang wur­de auf­grund der da­ma­li­gen po­li­ti­schen Si­tua­ti­on ab­ge­lehnt.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg lag der Hel­dra­stein un­mit­tel­bar im Rand­ge­biet der so­wje­tisch be­setz­ten Zo­ne. Das Be­tre­ten des Are­als war oh­ne aus­rei­chen­de Be­grün­dung nicht ge­stat­tet. An­geb­lich nutz­ten die So­wjets die Wirt­schafts­ge­bäu­de als Pfer­de­stall.

Abhörturm der Stasi

1949 wur­de die DDR ge­grün­det und ei­ne Bo­den­re­form durch­geführt. In­fol­ge des­sen wur­de das dem Turn­ver­ein Wan­fried ge­hö­ren­de Grund­stück auf dem Hel­dra­stein der Ge­mein­de Schnell­manns­hau­sen über­eig­net.

Im Jahr 1952 er­folg­te der Ab­riß des Karl-Alexander-Turms und der auf dem Hel­dra­stein be­find­li­chen Ge­bäu­de.

Nach dem Bau der Mau­er und der Be­fe­sti­gung der Grenz­an­la­gen er­rich­te­te die Sta­si auf dem Hel­dra­stein einen neu­en Turm zur Ra­dar- und Funk­über­wa­chung. Auf der Hü­ne­burg ent­stan­den Sta­si-Un­ter­künf­te so­wie Ra­dar- und Ab­hör­an­la­gen. Nach der Grenz­öff­nung am 09.11.1989 ent­fern­ten An­ge­hö­ri­ge der NVA die tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen und ris­sen die Ge­bäu­de auf der Hü­ne­burg ab.Turm während der Umbauphase

Hei­lig­abend 1989 konn­ten erst­mals wie­der Pri­vat­per­so­nen das Ge­län­de auf dem Hel­dra­stein und die Hü­ne­burg be­tre­ten. Be­reits da­mals wur­de der Wunsch ge­äußert, wie­der ei­nen Aus­sichts­turm auf dem Hel­dra­stein zu schaf­fen. Den er­sten Bau­an­trag für ei­nen Turm­neu­bau wur­de 1990 von der in­zwi­schen ge­grün­de­ten In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Hel­dra­stein ge­stellt - und un­ter dem As­pekt des Na­tur­schutz­es ab­ge­lehnt. Die pro­jekt­lei­ten­de IG Hel­dra­stein leg­te Wi­der­spruch ein, der auch bei ei­nem Orts­ter­min mit den zu­stän­di­gen Be­hör­den be­kräf­tigt wur­de. Der Turm der Einheit nimmt Gestalt anAl­ler­dings war das Bau­amt in Ei­se­nach of­fen für den Um­bau des be­ste­hen­den Ab­hör­turms der ehe­ma­li­gen Sta­si-An­la­gen - wohl in der Kennt­nis, daß für die­ses Bau­werk aus Alu­mi­ni­um kei­ner­lei Un­ter­la­gen exi­stier­ten. Um die Sta­tik zu über­prü­fen, wur­de der Werk­stoff von ei­nem In­ge­ni­eur­bü­ro ana­ly­siert. Die Pla­nungs- und Be­wil­li­gungs­pha­se nahm zwei­ein­halb Jah­re in An­spruch, ehe 1996 die Bau­ge­neh­mi­gung schließ­lich er­teilt war. Zwi­schen­zeit­lich muß­te das 12.300 m² große Grund­stück von der Treu­hand­an­stalt zum Preis von 20.000 DM er­wor­ben wer­den. Auch die Fi­nan­zie­rung des ge­plan­ten Turm­um­baus war noch nicht si­cher. Der Turm in of­fe­ner Bau­wei­se mit ab­ge­trennt­er Kup­pe und ei­nem fla­chen Dach ver­sehen soll­te 205.000 DM ko­sten. Die Lö­sung zeich­ne­te sich in Ge­sprä­chen zwi­schen der IG Hel­dra­stein und dem Land­wirt­schafts­amt Ei­se­nach ab: Mit Hil­fe des LEADER-Pro­gramm­es der EU konn­ten 45% der Bau­ko­sten fi­nan­ziert wer­den. An Ei­gen­mit­teln wur­den 41.000 DM ver­an­schlagt, über 20.000 DM soll­ten durch ei­nen Kre­dit auf­ge­bracht wer­den, und 10.600 DM er­brach­te die IG Hel­dra­stein als Ei­gen­lei­stung.Der neue Turm der Einheit

Um die Ei­gen­mit­tel auf­zu­brin­gen, ver­kaufte die IG Hel­dra­stein sym­bo­lisch 120 Stu­fen des Tur­mes, die von Land­krei­sen, Ge­mein­den, Ver­einen, Pri­vat­per­so­nen, po­li­ti­schen Par­tei­en, Ban­ken/Spar­kas­sen so­wie Fir­men aus der Re­gion er­wor­ben wurden. Da­durch ent­stand ein bei­spiel­haf­tes grenz­über­grei­fen­des Ge­mein­schafts­werk.Ins­ge­samt be­trug die Spen­den­sum­me für den Turm­bau 74.600 DM. Die Spen­der stam­men so­wohl aus Thü­rin­gen als auch aus Hes­sen. Auf­grund der großen Spen­den­be­reit­schaft in der Be­völ­ke­rung und ei­nes gün­sti­gen Aus­schrei­bungs­er­geb­nis­ses, konn­te der Turm­bau um­fang­rei­cher aus­fal­len als ur­sprüng­lich vor­ge­se­hen: Der Turm wur­de ver­schalt und mit druck­im­präg­nier­ten Bret­tern ver­klei­det. Außer­dem ent­stand am Fuß des Bau­werks ein acht­ecki­ger Un­ter­stand, der Wan­de­rern bei schlech­tem Wet­ter als Schutz dient.